25.05.2020

Die Zahl der angezeigten Fälle sexualisierter Gewalt an Kindern ist deutlich angestiegen.


Dies belegt die kürzlich veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2019. Während die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 11% anstiegen, sind es sogar dramatische 65% bei Besitz, Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Materialien. Es ist zu vermuten, dass der Anstieg auf eine größere öffentliche Sensibilität und Verbesserungen in Ermittlungsverfahren und Strafverfolgung zurückzuführen ist.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder geschieht vorrangig in deren sozialem Nahraum, häufig innerhalb der Familie. Expert*innen befürchten, dass die aktuellen Maßnahmen zum Schutz vor dem Covid-19-Virus das Risiko für Übergriffe gegen Kinder zusätzlich erhöht.

 „Für Missbrauch innerhalb der Familie oder durch externe private Betreuungspersonen, auf die Eltern in Zeiten geschlossener Einrichtungen zurückgreifen müssen, bieten sich in dieser Zeit vermehrt Gelegenheiten“, erklärt Lena Melle von der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Gleichzeitig fehlt es betroffenen Kindern und Jugendlichen an Kontakt zu Erwachsenen außerhalb der Familie. Diese könnten Verhaltensveränderungen an Kindern bemerken, Signale erkennen und somit Schutz und Hilfe anbieten.

„Wir möchten alle, die den Verdacht haben, ein Kind könne Übergriffe erleben, ermutigen, sich schützend zu verhalten.“ sagt Melle. „Wer sich unsicher ist bezüglich seines Verdachts oder möglicher Handlungsschritte, kann sich auch anonym telefonisch dazu beraten lassen.“

Zahl der minderjährigen Tatverdächtigen massiv angestiegen

Ein ebenfalls schockierender Trend zeigt sich im Anstieg des Anteils an Minderjährigen unter den Tatverdächtigen bei sexualisierter Gewalt. 10,2% der Tatverdächtigen waren selber unter 14 Jahre alt, weitere 21,2% zwischen 14 und 18 Jahre alt.

Auch bei sexuellen Übergriffen durch Kinder und Jugendliche spielen das Internet und soziale Medien eine bedeutende Rolle. Hier zeigt sich nicht nur die enorme Wichtigkeit des Ausbaus von flächendeckenden Bildungsangeboten zum Umgang mit den neuen Medien, zu Cyberkriminalität und Pornografie. Es bedarf zudem dringend spezialisierter Hilfen für sexuell grenzverletzende Kinder und Jugendliche, deren übergriffiges Verhalten sich als Muster zeigt.

Beratung und Unterstützung

Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch